Kein Durchbruch bei Gendoping-Nachweis
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Wiener Dopingskandal: Der weltweit anerkannte Experte Werner Franke über Österreichs Probleme und die Möglichkeiten der Verfolgung
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Der größte Dopingaufdecker Deutschlands ist ein Molekularbiologe, der sich der Krebsforschung widmet. Werner Franke ist 67, lebt und wirkt in Heidelberg. Er hat maßgeblichen Anteil an der (erfolgreichen) strafrechtlichen Verfolgung von DDR-Ärzten und Betreuern. Und ist bekannt für starke Aussagen.
KURIER: Herr Professor Franke. Österreich hat offenbar auch einen Laborskandal. Erste Namen von Sportlern wurden genannt.Wie beurteilen Sie die Lage?
Werner Franke: Gleich vorweg. Die Athleten sind nicht die Gegner. Die Gegner sind die Ärzte und Wissenschaftler, die dahinter stecken.
Sportler werden aber mitunter als Kronzeugen benötigt, um an die Hintermänner zu kommen.
Das ist genau der Begriff, den ich verwende. Kronzeugen. So wie Jörg Jaksche, der letztes Jahr im Juni ausgepackt hat, einer war. Dazu bedarf es allerdings lückenloser Kooperation, wie es Dick Pound forderte. Da müssen schon die Hosen runter.
Was kann man dem Sportler anbieten?
Man muss ihm die Frage stellen: Wie willst du da als betroffener Sportler rauskommen? Als kleine zerquetschte Betrügerfigur? Oder als einer, der den Laden aufgedeckt hat, der im Sinne eines Neubeginns einen Schritt vorwärts gesetzt hat, erhobenen Hauptes. Das galt für Jaksche, das würde ich auch jenen österreichischen Athleten raten, die in dem verdächtigten Blutlabor gewesen sein sollen. Dennoch bleibt der Eindruck, dass generell zu lasch agiert wird in Österreich.
Nun soll es in Österreich nicht nur das Labor in Wien, sondern noch weitere verdächtige Labors geben. Bestätigt das die These des deutschen Historikers Spitzer, der im Februar 2006 gemeint hatte, dass es in Österreich regelrechte Dopingnester gebe?
Spitzer meinte nicht Blutbanken und dergleichen, er zielte eher auf die Anabolika, die ja nach wie vor die Hauptmittel sind. Spitzer bezog sich auf die ehemaligen DDR-Leute, die jetzt in Österreich noch immer tätig sind. Der Pansold zum Beispiel ist ja eine große Nummer.
Er leitet das Trainingszentrum von Red Bull ...
Da krieg ich einen Lachanfall. Auch, dass in Turin in den durchsuchten Zimmern kleine UV-Lampen gefunden wurden. Das kennt man von Zellkulturen. Unter der UV-Lampe wächst dann kein Keim. Wann immer Sie UV-Lampen finden, haben sie fortgesetzte DDR-Methoden. Das war ganz klar: Was in Österreich passiert oder passierte, das beruht auf den Erfahrungswerten aus der DDR. Da gab es ja den Schwimmtrainer Gläser, dann gibt es einen Trellenberg und eine ganze Reihe von anderen DDR-Namen, die in Österreich auftauchten. Aber Pansold der ausgewiesendste.
Hat man in Österreich keine Skrupel?
Das können Sie auf mehrere Bereiche anwenden. Warum etwa sind ausgewiesene Nazis nach dem Ende des Krieges besser gefahren als jene in Deutschland? In Österreich ist man eben sehr nachsichtig.
In Österreich herrscht auch eine strafrechtliche Problematik. Ärzten kann man nicht beikommen ...
Ich bestreite das. Nehmen Sie die die Prozesse gegen die DDR-Leute. Dann gab es einen Spruch des Bundesgerichtshof: Die sind alle - inklusive Pansold - verurteilt worden, wegen Beihilfe zur Körperverletzung. Ob sie eintritt oder nicht, ist nicht relevant. Das müsste in Österreich ähnlich sein.
Auch bei Blutdoping?
Bei Eigenblutdoping geht es um die Reinfusion. Das ist ein höchst heikler Vorgang, bei dem große Gefahren bestehen. Thrombosen können entstehen. Infarkte können passieren. Todesfälle. Nicht oft, einer aus 10.000 vielleicht. Dennoch sage ich: Allein deshalb kann man die involvierten Mediziner wegen Körperverletzung anklagen und unterstützendes Personal wegen Beihilfe. Zudem kommt die ethische Komponente. Der Widerspruch zu Paracelsus. Der hat gesagt: Das Höchste ist es, nicht zu schädigen. Und auch nicht zu riskieren zu schädigen. Wenn keine Krankheit oder Not besteht, gibt es keine ärztliche Not zu handeln.
Sollte man in Österreich das Gesetz verschärfen?
Um Sportler geht es nicht, nur um die Hintermänner, die Wissenschaftler. Um die intellektuellen Täter. Und um Funktionäre. Die müssen strafrechtlich verfolgt werden. Warum soll das in Deutschland gelten und in Österreich nicht?



