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Eine Affäre wird zum großen Skandal

Doping: Rollender Stein wird zur Lawine Zum Hauptartikel

Nach der Enthüllung über ein Wiener Labor meldet sich auch der mächtige IOC-Vizepräsident Bach zu Wort.

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Der Mantel des Schweigens ist löchrig geworden. Es bedurfte allerdings eines Sturms aus der Fremde, um ihn fortzufegen. Und plötzlich wird auch in Österreich Aufregung an den Tag gelegt. Die Affäre rund um die Wiener Blutbank, in der Doping praktiziert worden sein soll, sie sorgte und sorgt für Schlagzeilen und heftige Reaktionen. Vor allem in Deutschland.

Der KURIER hatte exklusiv über den Schriftverkehr zwischen Dick Pound, dem bis vor ein paar Tagen noch im Amt gewesenen Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), und Staatssekretär Reinhold Lopatka berichtet.

23. November: Dick Pound interessiert sich sehr für die Vorgänge in einem Institut namens Humanplasma. Dort, so will der Kanadier erfahren haben, soll teilweise Blutdoping durchgeführt worden sein. Pound erwarte Auskünfte über den Fortgang der Ermittlungen.

Am Tag davor hatte der KURIER erstmals über die Existenz eines nicht ganz sauberen Labors in Wien geschrieben. Zahlreiche (auch prominente) Athleten aus dem Ausdauerbereich seien regelmäßig (Sonntag, ab sechs Uhr morgens) aufgetaucht, um sich präparieren zu lassen. Unter Obhut hochdekorierter Mediziner .

Entrüstung

Nach der ersten Enthüllung vom 22. November hielt sich das allgemeine Interesse in Österreich in Grenzen. Nun aber, nach der Anfrage des mächtigen Mister Pound, der das (Sorgen?-) Kind beim Namen nannte, nimmt die Entrüstung beängstigende Formen an. Ein Fall wird zum Selbstläufer.

Deutsche Topmedien schickten ihre Leute aus, recherchierten auf Basis der KURIER-Erkenntnisse. ZDF sendet zu prominentesten Zeiten, auch Spiegel , Welt und dpa platzierten die heikle Story an prominenten Stellen. Wohl auch deshalb, weil sich unter den Kunden des Labors im neunten Wiener Bezirk auch Athleten aus Deutschland befunden haben sollen.

Schmerzen

Nicht nur die Medien beschäftigen sich mit der "Causa Alsergrund". Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und beinharter Kämpfer gegen Doping, stand dem KURIER für ein Gespräch zur Verfügung. Er kenne die Hintergründe noch nicht, habe aber von einer Wiener Blutbank auf Abwegen erfahren.

Bach kennt die Problematik aus Deutschland. Der Skandal um die Freiburger Universitätsärzte (drei Mediziner wurden überführt, systematisches Doping betrieben zu haben) ist noch in schmerzhafter Erinnerung. Wie man diesen Fußtritten wider die Ethik entkommen kann? "Es bedarf der Hilfe des Staates", sagt der mächtige Funktionär, der einmal Olympiasieger im Fechten war. "Man braucht eine integrierte Arbeitsteilung. Und eine Verschärfung des Arzneimittelgesetzes." In Deutschland habe man dies realisiert, damit könne man nun strafrechtlich agieren.

Staatsanwalt

Dass in Österreich zu lasch agiert werde in Sachen Doping, dass das Augenzwinkern nach wie vor dominiere, davon will der deutsche Stellvertreter von Jacques Rogge nichts wissen. Wie sein Boss meint auch er: "Es wurde ein neues Anti-Dopinggesetz verabschiedet. Und nach Turin wurde vom ÖOC hart durchgegriffen. Man kann den Willen erkennen, dass man für klare und saubere Verhältnisse sorgen will." Aber auch die Vergangenheit will aufgearbeitet werden. Das fordert die WADA. Auch das IOC wird genau darauf achten, wie in der Labor-Angelegenheit verfahren wird. Fakt ist – es wird ermittelt.

Das Bundeskriminalamt stellte Untersuchungen an. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft. Die wiederum wurde aus dem Ausland gebeten, sich die dubiosen Vorgänge in Wien genauer zu Gemüte zu führen. Verraten über die bisherigen Erkenntnisse wird noch nichts.
Es dürfte spannend bleiben.

Artikel vom 10.01.2008 11:51 | KURIER | Erich Vogl und Rainer Fleckl


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