Schulen: Baustelle betreten erlaubt!
Die Politik will mehr Ganztagsschulen. Doch zuvor müssten die Schulgebäude umgerüstet werden. Das ergab ein KURIER-Lokalaugenschein.
Bröckelnder Putz: Schulen wie die Wiesingergasse warten jahrelang auf Sanierungen.
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Offenes Lernen; Arbeiten in Kleingruppen; individuelle Förderung und Ganztagsschule: Lernen im 21. Jahrhundert sieht anders aus als zu Großmutters Zeiten. Doch die Schularchitektur hat sich in den letzten hundert Jahren kaum verändert. Dabei sollte der Raum der "dritte Pädagoge" sein: Kinder sollen sich hier wohl fühlen und Lust aufs Lernen bekommen. Dass die Realität anders aussieht, zeigt ein Lokalaugenschein des KURIER:
- Turnsäle fehlen in vielen alten Schulgebäuden, etwa der AHS Wasagasse. Die Schüler müssen in anderen Gebäuden turnen gehen. Dort wo es einen gibt, genügt er heutigen Anforderungen nicht immer. Im BORG Hegelgasse 14 machen Säulen Ballspiele unmöglich.
- In den Klassenzimmern sitzen die Schüler oft dicht gedrängt. Beim KURIER-Besuch in der KMS Brüßlgasse saßen 30 Schüler im Alter von 15 Jahrenauf 50 : Für jeden bleiben also rund 1,6 Platz. Das Arbeitsinspektorat würde solches in jedem Betrieb sofort beanstanden. Grundsätzlich gilt, dass jedem Arbeitnehmer mindestens 5 zur Verfügung stehen. "Würde das Arbeitsinspektorat zuständig sein, müssten zwei Drittel der Wiener Schulen geschlossen werden", meint ein Schulleiter lapidar. Ähnliches gelte auch für Lehrerzimmer.
Die Folge: "Wenn Kinder so zusammengepfercht sind, werden sie zwangsläufig aggressiv", berichten Mediatoren aus den Schulen. "Statt Streitschlichtern bräuchte es nur mehr Platz." Weil der Lärmpegel enorm hoch ist, sind Schüler und Lehrer froh, wenn sie das Schulhaus so schnell wie möglich verlassen können. Keiner wäre gern den ganzen Tag hier.
- Der Zustand vieler Schulen ist desolat: Manche wurden seit mehr als 40 Jahren nicht mehr generalsaniert. Der Dreck sitzt in den Ecken, der Verputz ist löchrig - egal wie oft da geputzt wird. Oft verdecken Plakate die ärgsten Schäden.
Dort, wo es offene Lernformen wie Gruppenarbeit gibt, werden auch Räume außerhalb des Klassenzimmers genutzt - wie zum Beispiel der Gang. Nur: Im Winter hat es dort oft 18 Grad. Denn die Temperatur wird zentral geregelt.
- Die Toiletten sind oft der neuralgische Punkt. Die Klowände in der KMS Wiesberggase sind beschmiert, die Rohre verrostet. Wo Klos renoviert sind, werden sie oft so verdreckt, dass Schüler das stille Örtchen nur in Notfällen aufsuchen.
Für Bundesschulsprecherin Pia Bauer gibt es im Schulbau "noch viele Mankos. Etwa die Containerklassen oder heruntergekommene Schulen überall. Die meisten Klos sind sowieso unter jeder Kritik."
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