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Hillary Clinton steht vor dem Aus

    Acht Niederlagen in Folge, Wechsel an der Spitze des Wahlkampfmanagements, einbrechende Umfragen: Clinton kämpft um den Verbleib im Rennen.

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    Noch vor einem Jahr stand der Nominierung von Hillary Clinton zur demokratischen Kandidatin bei der Präsidentschaftswahl im November nichts im Wege - bis Barack Obama kam. Der 46-jährige Senator fliegt derzeit von Erfolg zu Erfolg, für die ehemalige First Lady setzte es zuletzt acht Niederlagen. Schlimmer noch, die Serie dürfte sich fortsetzen. Am 19. Februar finden auf Hawaii und in Wisconsin Vorwahlen statt, in Umfragen führt Obama klar. Clintons Team konzentriert sich daher bereits voll auf den 4. März, wenn in Texas und Ohio insgesamt 334 Delegierte vergeben werden.

    Nach Ansicht eines ihrer engsten Beraters, James Carville, braucht die Senatorin hier unbedingt Siege, um im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten zu bleiben. "Sie liegt hinten. Täuscht euch nicht. Wenn sie entweder Texas oder Ohio verliert, ist die Sache gelaufen", sagte Carville nach Angaben der Regionalzeitung Orlando Sentinel bei einer Wahlveranstaltung in Florida.

    Pflichtsiege in Ohio und Texas

    Carville hatte bereits zuvor im US-Nachrichtensender CNN gesagt, dass Clinton wohl die Vorwahlen in diesen beiden Staaten und in Pennsylvania (am 22. April) werde gewinnen müssen. In diesen drei Staaten ist rund die Hälfte der noch zu vergebenden Delegiertenstimmen zu holen. "Wenn sie einen der drei verliert, dann wird wahrscheinlich Senator Obama die Nominierung bekommen", sagte der Wahlkampfstratege, der im Jahr 1992 maßgeblich zum Sieg von Hillarys Ehemann Bill bei der US-Präsidentenwahl beigetragen hatte.

    Allerdings warnte Carville davor, den schwarzen Senator frühzeitig zum Sieger im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur zu erklären. "Ich habe schon mehrmals miterlebt, wie die Clintons ausgezählt wurden. Ich wäre da sehr zurückhaltend." Bill Clinton (US-Präsident 1993-2001) hat den Spitznamen "Comeback kid", weil er immer wieder in aussichtslos scheinenden Situationen die Rückkehr schaffte.

    Signalwirkung

    Vor den Abstimmungen in Texas und Ohio finden noch Vorwahlen auf Hawaii (20 Delegierte) und in Wisconsin statt. Dort führt Obama mit 50 Prozent vor Hillary mit 39 Prozent. Vor nicht einmal einer Woche sah es genau umgekehrt aus, da sah eine Umfrage der American Research Group Clinton noch mit mehr als zehn Prozentpunkten vorn. Selbst Clintons Wahlkampfteam glaubt nicht mehr an einen Sieg in Wisconsin.

    Wisconsin ist zwar ein kleinerer Staat, in dem nur 74 Delegierte vergeben werden, aber das Ergebnis könnte dennoch Signalwirkung für Ohio und Texas haben. Gegen die Negativschlagzeilen nach einer neuerlichen Niederlage anzukommen, dürfte ihr schwerfallen. Die Vorwahlen in den beiden bevölkerungsreichen Staaten gelten als letzte Chance für Clinton, den Trend zu ihren Gunsten umzudrehen. Die New Yorker Senatorin baut auf die besondere demografische Struktur dieser Staaten mit vielen Latinos beziehungsweise Arbeitern, bei denen Obama bisher nicht so gut ankam. Umfragen sagen Clinton in diesen Staaten einen Sieg voraus. Allerdings holt Obama auch hier dramatisch auf. Die Latino-Wähler, die sich noch im Dezember im Verhältnis 70 zu 7 für Clinton entschieden hätten, wenden sich inzwischen stärker Obama zu (Mitte Januar: 63 zu 18).

    Obama holt dramatisch auf

    Noch führt die 60-Jährige zwar deutlich vor Obama: In Texas mit 48 Prozent vor Obama, der bei 38 Prozent liegt, und in Ohio sogar mit 56 Prozent gegenüber 39 Prozent. Doch die Entwicklung von Obamas Umfragewerten lässt es immer fragwürdiger erscheinen, ob sich Clinton bis zum 4. März an der Spitze halten kann.

    Die letzte Umfrage aus Ohio, die von Ende Januar stammt, sah Obama noch bei mageren 19 Prozent - er hat also seinen Anteil seither verdoppelt. Auch Clinton hat zugelegt, aber nur um 14 Prozent.

    In Texas, dem größten noch ausstehenden Staat, ist das Rennen noch enger. Ende 2007 führte Clinton hier mit 51 zu 17 Prozent. Bei der nächsten Umfrage, die Anfang bis Mitte Januar erhoben wurde, sackte Hillary auf 46 Prozent ab, und Obama kam auf 28 Prozent heran. Im jüngsten Meinungsbarometer - Ende Januar bis Anfang Februar - konnte sich Clinton zwar auf 48 Prozent verbessern - doch Obama rückte gleichzeitig auf 38 Prozent vor.

    Hoffen auf die Frauen

    Man bleibe aber "optimistisch", was Texas und Ohio angehe, sagte der Sprecher von Clintons Wahlkampfteam, Howard Wolfson, in der Washington Post.

    Der größte Unsicherheitsfaktor für die Clinton-Strategen dürfte eine andere Wählergruppe sein: die Frauen. In Ohio nun muss sich Clinton auf ihre Geschlechtsgenossinnen verlassen können: Laut Survey USA würden sich derzeit 62 Prozent der Frauen für sie entscheiden - und nur 33 Prozent für Obama. Sollte diese Wählergruppe der einstigen First Lady wegbrechen, wäre Obama kaum mehr aufzuhalten.

    Acht Niederlagen in Folge

    Selbst wenn Clinton den Vorsprung über die Runden bringen kann, ein knapper Vorsprung auf Obama bringt ihr jedoch wenig, da der Sieger nicht alle Delegierten des Staates zugesprochen bekommt, sondern nur seinen proportionalen Anteil. Um ihren Rückstand wettzumachen, müsste Clinton in Texas und Ohio "70 bis 75 Prozent der Stimmen bekommen", sagte der Politikexperte Jack Rafferty auf CNN. Dies sei sehr unwahrscheinlich. Er glaube daher nicht, dass Clinton noch Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur hat.

    Am 4. März finden außerdem in Vermont (15 Delegierte) und Rhode Island (21) Vorwahlen statt.

    Clinton hat zuletzt acht Vorwahl-Niederlagen gegen Obama hinnehmen müssen. Der schwarze Senator konnte seine Rivalin erstmals in der Gesamtzahl der Delegiertenstimmen überholen. Einer aktuellen CNN-Zählung zufolge liegt Obama bereits mit 1253 zu 1211 Stimmen vor Clinton. Dabei hat die frühere "First Lady" fast 80 Superdelegierte mehr auf ihrer Seite als ihr Kontrahent.

    Artikel vom 15.02.2008 23:48 | APA, KURIER Online | hjh


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