Olympischer Sport ohne Atempausen
Magdalena Kozená singt Vivaldi im Musikverein, Carmen in Salzburg. Und ihren Söhnen tägliche Liederabende.
Kožená: "Vivaldi hat sehr instrumental geschrieben. Er hat nicht bedacht, dass Sänger auch atmen müssen."
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Vivaldi, das ist Touristen-Musik, war Magdalena Kožená lange überzeugt. In Erinnerung an Musiker, die sich auf der Prager Karlsbrücke an den "Vier Jahreszeiten" abarbeiteten.
Dann hat sich die Sängerin mit der Musik des Italieners beschäftigt. Für ein CD-Projekt mit Andrea Marcon, das diesen Juni erschienen ist. Die Skepsis verflog, Kožená wurde "komplett hineingezogen in diesen musikalischen Kosmos." Heute, Dienstag, singt sie Vivaldi-Arien im Musikverein.
"Ich bevorzuge die langsameren, getragenen Arien", schwärmt Kožená, "bei denen man sich beim ersten Blick denkt, da steht nicht viel in den Noten. Das ist langweilig. Beim Singen entdeckt man dann diese vielen Farben. Und erkennt, nur wenn man diese Musik einfach lässt, entwickelt sie ihre Magie." Das ist es auch, was Vivaldi für Kožená so speziell macht: "Die Schönheit in der Schlichtheit."
Als "olympischen Sport" bezeichnet die Sängerin hingegen die bravourösen, mit Koloraturen gespickten Stücke: "Vivaldi hat sehr instrumental geschrieben. Er hat nicht bedacht, dass Sänger auch atmen müssen. Es macht unglaublichen Spaß, das funktionieren zu lassen."
Ihren nächsten Wien-Auftritt absolviert Magdalena Kožená dann Anfang Dezember, mit drei Konzerten von Edward Elgars Oratorium "The Dream of Gerontius" mit ihrem Lebensgefährten Simon Rattle am Pult der Wiener Philharmoniker: "Dieses selten gespielte Werk hat mich enorm überrascht. Es ist die intensive Schilderung enormer Seelenqualen." Die Balance zwischen Lied-, Konzert- und Opernauftritten ist der Sängerin sehr wichtig: "Jedes davon hat seinen Reiz. Die Intensität der Bühne, die
Eigenständigkeit des Liedgesanges - die drei Genres ergänzen einander sehr. "
Bühne
Auf der Opernbühne ist Kožená in Österreich 2012 wieder zu sehen: Als Sesto in Mozarts "Titus" an der Staatsoper und als "Carmen" bei den Salzburger Festspielen.
Magdalena Kožená ist in vielen Sprachen zu Hause, am Wohlsten fühlt sie sich jedoch - auch beim Singen - im Tschechischen: "Ich bin sehr froh, tschechische Stücke präsentieren zu können. Viele haben diese Möglichkeit nicht, weil sie sich vor der Sprache fürchten. Aber diese Lieder haben etwas, das jeder verstehen kann." Das Besondere am tschechischen Repertoire ist für Kožená die Nähe zur Volksmusik: "Diese Stücke haben einzigartige Farben und sie sind sehr nahe an der Musik der Menschen."
Letztes Jahr hat Kožená "Songs, My Mother Tought Me" eingespielt - Lieder aus ihrer Kindheit, die sie auch ihren Söhnen vorsingt: "Mein älterer war da sehr fordernd, das waren ganze Liederabende jeden Abend. Der jüngere begnügt sich jetzt mit zehn Minuten."
Magdalena Kožená: Konzerte und Oper
Bio Geboren wurde Magdalena Kožená 1975 in Brünn. Die tschechische Mezzosopranistin studierte Gesang in ihrer Heimatstadt und in Bratislava. Sie ist als Lied- und Opernsängerin international gefragt. Kožená lebt mit ihrer Familie in Berlin.
Termine Am Dienstag gastiert Kožená mit dem Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon im Musikverein; im Dezember mit Elgars Oratorium "The Dream of Gerontius". 2012 ist sie in Wien als Sesto und in Salzburg als Carmen zu erleben.
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