Der Zeitzünder Zum Hauptartikel
Zuerst passierte in Österreich, was immer passiert: Nix.
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Wir leben in einem Land, in dem man in gewissen Kreisen immer noch ungestraft behaupten darf, dass Udo Proksch ein toller Bursch’ gewesen sei. Der berüchtigte Club 45 zog Promis aus Politik und Society vor ziemlich genau dreißig Jahren an wie das Licht die Motten. Nachdem der Big Spender Udo 1977 den Frachter Lucona im Indischen Ozean hatte versenken lassen, wodurch sechs Seeleute gestorben waren, dauerte es 15 Jahre, bis der Club 45 endgültig aufgelöst wurde.
Viele führende Politiker gehörten dem Verein an, der über dem Café Demel in Wien residierte. Karl Blecha, Leopold Gratz, Hannes Androsch, Heinz Fischer und andere.
Der Club 45 steht noch heute als Sinnbild der österreichischen Verdrängungsgesellschaft – allerdings leider nicht als abschreckendes Beispiel.
Was das alles mit einem mutmaßlichen Doping-Labor in Wien zu tun hat?
Nicht viel. Wenn man davon absieht, dass Karl-Heinz Demel, Österreichs renommiertester Doping-Jäger, nach Leopold Gratz Präsident des Club 45 war.
Ja, dann ist da doch noch eine Parallele: Der Mechanismus selbst.
Seit Salt Lake City 2002, vor allem aber seit Turin 2006 steht Österreich unter dem dringenden Verdacht, ein internationales Drogennest und ein zentraler Umschlagplatz für illegale Medikamente zu sein.
Spät, aber doch reagierte die Politik auf den ständig steigenden internationalen Druck. Und erst nach dem Absingen des beliebten Volksliedes von der ausländischen Verschwörung wurde ein Doping-Gesetz erlassen. Und die Untersuchungskommissionen von ÖSV und ÖOC überzeugten die IOC-Beobachter nach anfänglichen Kompetenz-Streitereien doch noch davon, dass Österreich an echter Aufklärung interessiert sei.
Im Zuge dieser Untersuchungen tauchte erstmals der Name eines Wiener Labors auf. Der KURIER brachte erste Verdachtsmomente vor zwei Monaten exklusiv ans Tageslicht.
Die Reaktion? Null.
Während das Labor des spanischen Dr. Fuentes und die kalifornische Steroid-Fabrik BALCO in den jeweiligen Ländern noch in der Sekunde des ersten Verdachts die Behörden, die Doping-Fahnder und die Ermittler der Staatsanwaltschaften auf den Plan rief, passierte in Österreich, was immer passiert. Nix.
Erst mittels des typisch österreichischen Zeitzünders löste die KURIER-Enthüllung polizeiliche und politische Reaktionen aus.



